KurzinfoIrrfahrt der AtlanticErzählkonzeptMichel DaeronServiceProduktionHome
 
 
Michel Daëron über ATLANTIC DRIFT

Während meiner ersten Erkundung geeigneter Drehorte, habe ich Ruth Sanders bei sich zu Hause in Arizona getroffen. Ihr Name stand als einer der ersten auf einer langen Liste von mehr als hundert Überlebenden. Sie unterbrach unsere Unterhaltung plötzlich, da sie sich erinnerte, ein Tagebuch, das ihre Odyssee auf der Atlantic ausführlich behandelte, auf deutsch geführt zu haben.

Nach der Übersetzung stellte sich das Tagebuch unerwartet als dramaturgisches Hilfsmittel heraus. Wie beim Lesen des Drehbuchs festgestellt werden kann, erweist es sich nicht nur als wertvolle Verbindung für die Kontinuität der Geschichte, sondern seine extreme Flexibilität erlaubt es uns auch, in ein und demselben Atemzug Städte, Länder und Ozeane zu durchqueren: dem Atemzug einer jungen 17-jährigen Pragerin, die ihr langsames Abdriften in eine nahezu völlige Hoffnungslosigkeit erzählt.

Ruths Tagebuch, in Form einer jungen 17-jährigen Off-Stimme, mal leicht, mal heiter, dann tragisch, stellt das Gerüst der Erzählung dar. Die Subjektivität des Textes wird von einer Subjektivität der Form (Auswahl der begleitenden Bilder, Töne und Musik) überlagert.

Ruths Tagebuch, aber auch alle bis zum heutigen Tag zusammengetragenen Augenzeugenberichte, bestätigen die durchgehende Dimension der Erzählung, bei der die absolute Schönheit als Hintergrund für die Hoffnungslosigkeit, dient. Die Irrfahrt der Atlantic, die in idyllischer Kulisse stattfindet, ähnelt einer homerischen Odyssee, die uns von den Gewässern der Donau über die des Mittelmeers zu den Gewässern des Indischen Ozeans führt. Unter diesem Gesichtspunkt ist DIE IRRFAHRT DER ATLANTIC ein traumhafter Film, ein dokumentarischer Western, der von der großen Entfernung lebt, die Wien von Mauritius trennt.