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Die Irrfahrt der Atlantic – Konzept/Treatment


Fort, endlich fort. Ruths Traum geht in Erfüllung, als sie sich als Jugendliche von ihren Eltern trennt und sich einem jüdischen Flüchttlingszug anschließt, der dem nationalsozialistischen Europa entflieht. Am 3. September 1940 verlassen mehrere tausend Menschen Wien und Bratislava (Preßburg) über die sogenannte Donaulinie. An der Donaumündung werden sie von der Atlantic erwartet, einem Schiff, das für den Viehtransport konstruiert worden war und auf dem nun Ruth und die Hälfte der Flüchtlinge zusammengepfercht sind.

Die Atlantic soll die Flüchtlinge nach Palästina, das unter britischem Mandat steht, bringen. Die Reise sollte zehn Tage dauern. Auf der Atlantic dauert sie drei Monate. Mit Hunger, Krankheit und Tod konfrontiert, sind die Flüchtlinge nicht darauf gefaßt, auch noch mit den britischen Behörden zusammenzustoßen, die große diplomatische und militärische Anstrengungen unternehmen, die Flüchtlingsboote zu stoppen und deren Versorgung an den Anlegehäfen zu verhindern.

Die Atlantic ist nicht mehr als ein Wrack, als sie von der britischen Marine vor der zypriotischen Küste abgefangen und nach Palästina abgeschleppt wird. Ihrem Tagebuch zufolge, ist Ruth erleichtert, in Freundeshand zu fallen. Ohne daß sie nur im geringsten das Projekt ahnen, das vom Colonial Office ausgeheckt wird, werden die Flüchtlinge der Atlantic nach Mauritius deportiert und dort 5 Jahre in einem napoleonischen Gefängnis inhaftiert.

Die Irrfahrt der Atlantic und ein hoch über dem Indischen Ozean liegender jüdischer Friedhof rufen uns eine Zeit ins Gedächtnis, in der die Alliierten weit davon entfernt waren, den schon damals von der Vernichtung bedrohten jüdischen Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen, im Grunde eine neue Front gegen sie eröffnet haben. Blinder Bürokratismus? Jahrhundertealte Gleichgültigkeit der Regierungen gegenüber Flüchtlingen?

Von dem mauritischen Gefängnis aus, in dem sie eingesperrt ist, schaut Ruth in Richtung Europa: Papa, Mama, warum habt ihr mich ziehen lassen?

Wieviele sind es, die in Europa, gefangen zwischen der britischen Blockade der Donaulinie und der Schließung der Grenzen durch die Nazis, begreifen, daß sie nicht mehr fortgehen können?

Fort
Wir sind so oft hier gewesen, die Augen auf die Donau gerichtet, mit dem Gedanken: „Wann gehen wir von hier fort?„ 
Eine Lochkimme, ein Gefängnishof mit kreolischen und indischen Gefangenen, Schritte, die einen Gang mit Zellen durchmessen, führen uns in die Mauern des napoleonischen Gefängnisses von Beau Bassin, auf einem Hügel errichtet, der den Indischen Ozean überragt. In diesem Gefängnisalltag auf Mauritius die gedankenverlorene Off-Stimme eines jungen Mädchens von 17 Jahren, das, am anderen Ende der Welt, die Gewässer der Donau angstvoll betrachtet. Zu jener Zeit warteten Ruth und Tausende andere bereits seit einem Jahr auf das heilbringende Schiff, das sie aus dem nationalsozialistischen Europa fortbringen sollte.

In Wien nimmt alles seinen Anfang, vor dem Tor der britischen Botschaft in der Wallnerstraße, vor den Toren der französischen oder amerikanischen Botschaft, als nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Wien am 15. März 1938 Tausende von enteigneten jüdischen Flüchtlingen in panischer Angst die Botschaften belagern. Vergeblich. Die Alliierten bleiben unbeugsam und erhöhen ihre Einwanderungsquoten nicht.

Ein einziger Weg bleibt offen: die Donau, der sich Ruth, die seit einem Jahr in Bratislava festsitzt, in ihrem Tagebuch anvertraut.

Aus dem Innern einer Zelle in Beau Bassin erzählt uns Henry von der heilbringenden Donau, von der aus man das Schwarze Meer erreichen und sich dann dort nach Britisch-Palästina einschiffen kann. Das größte Problem stellte aber die Einschreibung für einen dieser Transporte, die in Wien zusammen vom Palästinabüro und der Gestapo verwaltet wurden, dar. Henrys Vater, der mit dem Palästinabüro zu tun hatte, hatte für den Erhalt der Fahrkarte für seinen Sohn lügen müssen, er gab vor, ein religiöser und praktizierender Jude zu sein.

Mit dem Strom der Donau
Am 3. September 1940 geht Ruths Wunschtraum in Erfüllung. Dies kann man zumindest aus dem geheimen Telegramm schließen, von dem das Foreign Office in London eine Kopie erhält: CRIMINAL INVESTIGATION DEPARTMENT JERUSALEM STOP AN ROYAL AIR FORCE UND COASTAL GUARD STATION STOP GEHEIM STOP NAME DES SCHIFFS: HELIOS STOP DEUTSCHE FLAGGE STOP TONNAGE 3821 TONNEN STOP MUSS UNVERZÜGLICH DONAU STROMABWÄRTS FAHREN STOP STAATSANGEHÖRIGKEIT UND ANZAHL DER PASSAGIERE 3000 ÖSTER-REICHISCHE JUDEN
Nicht nur die Helios, sondern auch die Uranus und die Schönbrunn verlassen in der Tat Wien und Bratislava mit mehr als 4000 Flüchtlingen. An Bord der Schönbrunn ruft uns die Wienerin Ady die Zeit in Erinnerung, als sie vor mehr als 60 Jahren an Bord dieses Schiffes ging. Die Schönbrunn war damals nicht dieses schwimmende, für Touristen renovierte Museum von heute. Nein. Sie war überfüllt von Flüchtlingen auf und unter den Tischen dieses Speisesaals ... und sie fuhr.

Und wir fahren heute und nehmen die Spur von Ruth und ihrem Tagebuch auf: Reisen auf der Helios ist das reinste Vergnügen. Ich habe selten in meinem Leben solche schöne Landschaften gesehen. Wenn wir uns nur darüber freuen könnten ohne diese Sorgen im Kopf zu haben…
Die erste Sorge von Ruth ist Kladovo, heute eine jugoslawische Schlafstadt. Damals waren an ihren Ufern Tausende von Flüchtlingen gefangen, die die vorbeifahrenden Schiffe um Hilfe anflehten. Zu jener Zeit erhielt Belgrad, zuständig für das Festhalten der Flüchtlinge, folgende Nachricht aus London: FOREIGN OFFICE LONDON AN KABINETT DES MINISTERPRÄSIDENTEN BELGRAD STOP DIE REGIERUNG SEINER MAJESTÄT DRÜCKT DER JUGOSLAWISCHEN REGIERUNG IHREN DANK AUS STOP
Die zweite Sorge heißt Pencho, „ehrlich gesagt, eher ein Wrack als ein Boot“ und tritt hinter der Windung eines durch die kürzliche Errichtung des Staudamms „Eisernes Tor„ industrialisierten Ufers zutage. Ruth schreibt weiter: „Es sitzt an der rumänisch-bulgarischen Grenze fest, denn weder Bulgarien noch Rumänien wollen es passieren lassen.„ Auf der Pencho liegen auf diese Weise 520 Flüchtlinge zwischen zwei Ufern im Sterben.

An Bord der Atlantic
Am 11. September 1940 erreichen wir Tulcea. Morgen gehen wir an Bord von drei Schiffen, der Atlantic, der Pacific und der Milos.
Aus seiner Zelle berichtet uns Henry, daß die Einschiffung tatsächlich stattgefunden hat, die Atlantic allerdings 3 Wochen in Tulcea mangels Besatzung festsaß. Die sanitären Einrichtungen erwiesen sich als entsetzlich und die Vorräte gingen zur Neige.

Hinter dem Stacheldrahtzaun des Lagers von Atlit in Palästina erinnern sich Myriam und Yaffa an die Probleme, die das Waschen für die Frauen darstellte: „Alle Männer schauten zu. Ich habe mich mit meinem Mann gestritten. Ich habe ihm gesagt, daß ich mich waschen muß und daß uns die Männer egal sein können. Mein Mann hat mir geantwortet: „wenn du das machst, bringe ich dich um, „ …

Auf einem Archivfilm aus jener Zeit sieht man wie sehr diese Flüchtlinge auf der Karako zusammengepfercht waren und Bildfolge um Bildfolge kann man sich leicht vor Augen halten wie eine chronische Hoffnungslosigkeit die Gesichter befällt. Ein Ausschnitt aus Ruths Tagebuch beschreibt die niedergeschlagene Stimmung: „Ich bin auf alle böse. Man verbringt den Tag damit, Schlange zu stehen, um auf die Toilette zu gehen, es gibt 10 für 1800 Personen...das ist einfach anstrengend... denn in einer solchen Situation werden die Männer und ganz besonders die Frauen zu wilden Tieren.„

Ein Amateurfilm zeigt uns die Ankunft eines Flüchtlingsschiffes in einer mit Moscheen übersäten Stadt. Auf der Seite des Kais erstreckt sich majestätisch der Hafen. Istanbul: CRIMINAL INVESTIGATION DEPARTMENT JERUSALEM STOP AN ROYAL AIR FORCE UND COASTAL GUARD STATION STOP GEHEIM STOP NAME DES SCHIFFS ATLANTIC STOP PANAMAISCHE FLAGGE STOP HAT ISTANBUL AM 11.10.1940 PASSIERT MIT ILLEGALEN FLÜCHTLINGEN AUF DEM WEG NACH HAÏFA STOP

Es ist wirklich die Atlantic, die man auf diesen photographischen Druckplatten erkennt: ein Frachtschiff, das sich mit der Last der Flüchtlinge plagt. Ein Kunstmaler, Fritz Haendel, hat ebenfalls den Alltag der inmitten der Fluten verlorenen Flüchtlinge skizziert. Sein Sohn Schlomo wird auch heute nicht müde, die Skizzen zu betrachten. Hier eine Zeichnung vom griechischen Kapitän der Atlantic und seiner Mannschaft, die von den Flüchtlingen überrascht werden, als sie in Schwimmwesten vom Schiff fliehen wollen. Eine andere Zeichnung zeigt die Flüchtlinge, die diesen Kapitän festhalten.

In dem Hotel, in dem sie auf Mauritius weilt, kann Ruth die Zeichnungen kommentieren, die Schlomo ihr zeigt. Besonders jene, die den Kapitän dabei zeigt, wie er die Kohle ins Meer wirft oder die Serie, die die Atlantic darstellt, wie sie die Häfen von Mitilini, Ios und Lesbos anläuft, auf der Suche nach Kohle, die weder die Türken noch die Griechen liefern wollen. Die Zeichnungen von Fritz Haëndel halten die ganze Geschichte der Atlantic fest.

Die Archivbilder von der Karako zeigen gepeinigte Seelen. Der BBC-Rundfunk feiert den Untergang dieses noch glückloseren Flüchtlingsschiffs. In den USA weigert sich der amerikanische Senat 20.000 in Wien festgehaltenen jüdischen Kindern Visa auszustellen. Archivbilder, wobei wir wieder Ruths Stimme vernehmen: „Nach Ios sind wir in einen Sturm geraten. Die Leute schreien, jammern und klagen. Einer alten Frau neben mir, die plötzlich anfängt sich zu übergeben, fällt ihr Gebiß ins Meer, das bringt uns zum Lachen, auch wenn dies eher traurig ist.„

Auf der Atlantic greifen auch Typhus und Hunger um sich und die Toten werden neben den Toiletten, wo sich weiterhin riesige Schlangen bilden, zwischengelagert. Henry erinnert sich, daß es zur Toilettenbenutzung verschiedene Arten von Marken gab. Baruch, der in Galiläa lebt, erinnert sich an den Schwarzmarkt, an dem er sich beteiligte, indem er Brot in Petroleum für Öllampen eintauschte.

Die Photos von der Atlantic zeigen in allen Häfen eine überfüllte Schiffsbrücke, auf der die Leute zusammengepfercht sind und warten. Henry erzählt, daß in Heraklion sonntags eine Schiffsflottille die zum schwimmenden Wrack gewordene Atlantic umkreiste. Heraklion, das nach Ruths Erinnerungen auch mitten im Krieg schön bleibt, scheint heute noch genauso schön zu sein. Aber der Spuk ist auch dort nicht vorbei: „Auf Kreta haben wir unseren 9. Toten. Der Leichnam darf nicht an Land gebracht werden, darf aber auch nicht ins Hafenwasser geworfen werden. Er bleibt ein paar Tage in einem Holzsarg unter den Toiletten, es ist ein schrecklicher Anblick.„

Dann kommt das offene Meer. „Wir haben so wenig Kohle, daß wir beginnen, das Schiff auseinanderzunehmen.“ Das gesamte Holz des Schiffes wird als Ersatz für die fehlende Kohle verwendet. Von der Atlantic, so entnimmt man den Photos, ist nur noch der metallene Schiffsrumpf übrig als die Flüchtlinge in einer Vollmondnacht S.O.S.-Rufe im Mittelmeer aussenden. Ein Notruf, der sich heute von Wien über Israel nach Mauritius auf allen Gesichtern der Überlebenden widerspiegelt.

Die Archivfilme von der Karako zeigen, wie die britische Marine auf wenig freundschaftliche Weise die Enterung vornimmt.

Zwei britische Zerstörer nähern sich der treibenden Atlantic. Und verweigern jegliche Hilfe. Wieder das Meer und die Nacht: Die meisten Leute sind auf der Brücke und starren voller Verzweiflung ins Wasser. S.O.S. Kein Schiff, kein Land in Sicht. Im Morgengrauen zeichnet sich eine Küste, dann ein Militärboot ab: „Es ist der Union Jack! Ein Freudenschrei... bricht aus. Wir sind auf Zypern."

In den Händen der Briten
In der Erinnerung der Überlebenden ist Zypern wie eine kalte Dusche. Die britischen Behörden willigen ein, den Flüchtlingen gegen 490 Pfund Sterling Nahrung zu geben. Zahlbar in Eheringen, Füllfederhaltern und diversen Schmuckstücken.

Vom heutigen Zypern behält man die Militarisierung des Hafens im Gedächtnis, aber auch das alarmierende Telegramm, das die Behörden auf Zypern ins Foreign Office nach London schicken, um davor zu warnen, daß auf der Atlantic Todesgefahr drohe, sollten die Passagiere nicht an Land gesetzt werden.

Die Passagiere werden nicht an Land gesetzt. Zwischenzeitlich schickt der Gouverneur von Palästina dem Foreign Office eine sibyllinische Nachricht: STOP AUSSCHIFFUNG UND INTERNIERUNG PASSAGIERE ATLANTIC IN ZYPERN UNMÖGLICH STOP … AUSSCHIFFUNG AUF ZYPERN WÜRDE EINSCHIFFUNG ERSCHWEREN STOP
Nach Ruth, „wird um 6 Uhr dreißig der Anker gelichtet“, und die Atlantic verläßt Limassol unter britischer Eskorte auf dem Weg nach Haifa. In der Morgendämmerung zeichnet sich die Küste Palästinas ab: „Die Leute umarmen sich, Freudentränen fließen, wir haben es geschafft!!“

Aber die Flüchtlinge erfahren, daß sie auf einen französischen Ozeandampfer, die Patria , transferiert werden, aus „Gründen der Quarantäne„. Die Frauen und die Kinder werden zuerst auf die Patria transferiert als diese plötzlich explodiert und innerhalb von 15 Minuten untergeht, mehr als 250 Menschen finden den Tod. Peter befand sich während der Explosion auf der Patria. Er war drei Jahre alt. Heute sucht er in den Archivberichten der Atlantic im Londoner Public Record Office nach seiner Vergangenheit. Er zeigt uns die telegraphischen Nachrichten, die die Reise der Atlantic punktuell begleitet haben und wir erfahren von ihm, daß das Foreign Office schon in Zypern beschlossen hatte, die Flüchtlinge nach Mauritius zu deportieren.

Ausschiffung und Internierung in Palästina
Hans hat zu den Flüchtlingen gehört, die in die Festung von Akko geschickt wurden und dort einem „harten Vollzug„ unterworfen waren. Im Lager von Atlit, in das die Mehrzahl der Flüchtlinge gebracht wurde, klagen Myriam und Yaffa auch über ein aggressives Verhalten der Polizei. Ruth ihrerseits denkt an ihren Bruder, unweit von hier, den sie bald wiedersehen wird.

Henry wird uns über die von den Briten durchgeführte Trennung der Flüchtlinge berichten, um die Überlebenden der Patria von denjenigen Flüchtlingen abzukapseln, die sich zum Zeitpunkt der Explosion noch immer auf der Atlantic befanden. Den Überlebenden der Patria wird Amnestie gewährt. Denen der Atlantic (oft aus der selben Familie), wird aufgetragen, ihr Gepäck vorzubereiten. „Wir konnten es nicht glauben. Nach dieser furchtbaren Reise“, ruft Ruth aus.

Die Deportation
Eine Weisung zum passiven Widerstand geht durch das Lager der Atlantic. Es wird beschlossen, daß die 1865 Flüchtlinge, Männer, Frauen und Kinder, alle zusammen, nackt schlafen und sich weigern werden, ihre Sachen zu packen. Aber die palästinensische Polizei hält sich nicht mit Umgangsformen auf und bricht ihren Widerstand gewaltsam. „Ich weine und weine und kann nicht mehr aufhören. Ich weine noch immer und immer als wir in einer Totenstille die leeren Straßen Haifas durchqueren.„

Die Flüchtlinge werden meist nackt und blutüberströmt in die Laderäume zweier holländischen Ozeandampfer eingeschifft. Meir erinnert sich an die Hartnäckigkeit der Polizei.

Erneut auf dem Meer, werden die Passagiere der Atlantic mit schrecklichen und entwürdigenden sanitären Bedingungen konfrontiert. Die britische Polizei, die sie begleitet, zeichnet sich durch ein „rohes„ und repressives Verhalten aus, so einer der Flüchtlinge. Die Typhus hat weiterhin verheerende Folgen und an Bord gibt es kein einziges Medikament. In dem Laderaum, in dem sie eingesperrt ist, klagt Ruth: „Nicht ein einziges Mal habe ich mich auf der Atlantic so verzweifelt gefühlt. Papa. Mama. Wenn ihr mich sehen könntet, ich glaube, ich würde weinen bis ich mein Augenlicht verliere„.

Haft auf Mauritius
Nach 14-tägiger Überfahrt erfahren die Flüchtlinge auf Mauritius einen unerwarteten Empfang. Blumen und Früchte werden geworfen, und man lächelt ihnen zu auf ihrer Überfahrt zu diesem napoleonischen Gefängnis, aus dem man vor ihrer Ankunft die Verbrecher entfernt hatte.

Dort, im Gefängnis von Beau Bassin, treffen wir wieder auf Ruth, Henry und Schlomo. Henry befindet sich in der Zelle, in der er 5 Jahre lang eingesperrt worden war. Schlomo wird sich wahrscheinlich auf die Suche nach seinem Vater begeben, der sich in einer dieser Zellen erhängt hat. Ruth war auf der anderen Seite der Ringmauer eingesperrt, in Baracken, die heute verschwunden sind. Ruths Tagebuch zählt die Flüchtlinge, die an Typhus und der vor Ort herrschenden Malaria „sterben wie die Fliegen„.

Auf dem Friedhof Saint–Martin, hoch über dem Indischen Ozean, beendet Ruth die Lesung ihres Tagebuchs mit Hilferufen an die in Wien zurückgelassenen Eltern, die, da sie das nationalsozialistische Europa nicht hatten verlassen können, in Auschwitz den Tod fanden.

124 Gräber inmitten von Zuckerrohr zeugen von einer Zeit, in der auch die Alliierten gegenüber den Juden eine beunruhigend diskriminierende Politik anwandten.